Rüsselsheim hat mehr verdient

Städtebaulicher Wettbewerb beste Lösung 
In der Diskussion um den städtebaulichen Wettbewerb zur Bebauung des Karstadt Geländes, die in den letzten Wochen zunehmend über die örtlichen Zeitungen geführt wurde, hat sich nun auch WsR Fraktion nochmals ausführlich zu Wort gemeldet. Im Gegensatz zu Oberbürgermeister Patrick Burghardt und den von ihm protegierten drei Investoren, sieht die WsR in einem städtebaulichen Wettbewerb nach wie vor die für die Innenstadt bessere und auch nachhaltigere Lösung. „Egal was am Ende an dieser Stelle entstehen wird, die Stadt und ihre Bewohner werden damit 40 oder 50 Jahre leben müssen. Für Schnellschüsse ist das Thema deshalb zu wichtig“. 

Bisherige Entwürfe nicht zufriedenstellend 
Die bisher vorgelegten drei Entwürfe sind zu unterschiedlichen Zeitpunkten entstanden und konnten schon allein deshalb nicht das volle Potential des Ortes ausnutzen. In ihrer Funktion für ein ebenfalls zu erarbeitendes städtebauliches Gesamtkonzept konnten sie so auch nur im Vagen und Partiellen bleiben. 
Der erste und zeitlich frühste Entwurf der ARGE-Gruppe GDG beschäftigt sich ausschließlich mit dem ehemaligen Karstadt-Gebäude und möchte es in seiner Struktur und Wirkung erhalten. 
Natürlich erscheint die professionell gemachte Visualisierung auf den ersten Blick freundlich. Allerdings besteht die größte äußerliche Veränderung ausschließlich in der Begrünung der Außenwände. Funktioniert diese Begrünung nicht wie geplant oder wird deren Pflege auf Dauer zu teuer, bleibt der monolithische Charakter des Gebäudes auch in Zukunft erhalten. 
Gerade um diesen für das Erscheinungsbild der gesamten Innenstadt so abträglichen Charakter der Bebauung zu beseitigen, hatte sich das Viererbündnis schon sehr früh auf einen Abriss festgelegt. 
Das angedachte Konzept, mit einer Mischung aus studentischem Wohnen, Gruppenarbeitsräumen, Büroräumen und kultureller Nutzung, erfordert ein erfahrenes und hoch motiviertes Gebäudemanagement, wie es die Gewobau derzeit nicht vorhält. Da das Gebäude nach den Vorstellungen der Entwickler aber dauerhaft im Besitz der Gewobau verbleiben soll, wäre diese kostspielige Aufgabe ebenfalls zu bewältigen. 
Genau, wie der zweite Entwurf des Unternehmens Livit, ist auch der GDG Entwurf nur auf eine Nutzergruppe ausgelegt. Dies widerspricht der Intention, die Bevölkerungsstruktur in der Innenstadt auf Dauer zu verändern, in dem man von kleineren Wohneinheiten mit hohem Mietanteil, zu mehr von den Eigentümern selbstgenutztem Wohnraum kommt. 
Obwohl der Livit Entwurf mit seiner Fokussierung auf ältere Personen sicherlich einem demographischen Trend folgt, verfehlt er in seiner Architektur völlig die Aufgabenstellung an dieser zentralen Stelle. 
Es ist ein Entwurf, der besser in jede x-beliebige Wohnsiedlung passen würde als an diese zentrale Stelle, die von vielen als Tor zur Innenstadt bezeichnet wird. 
Dass der Architekt das Treppenhaus ausgerechnet an die äußere Ecke zum Löwencenter gesetzt hat, zeigt wie wenig städtebauliches Verständnis bei diesem Entwurf vorliegt und wie wenig sich Livit mit den örtlichen Gegebenheiten auseinandergesetzt hat. Auch hier konnte nur eine Teilplanung mit sehr geringem städtebaulichen Bezug stattfinden, da das angrenzende östliche Gebäude zum Zeitpunkt der Planung noch nicht im Besitz der Gewobau war. 

Der Entwurf der E+P Gruppe ist der späteste Entwurf und der einzige, der von einer Beplanung des gesamten Areals von Friedensplatz bis Löwenstraße ausgehen konnte. 
Dieses Konzept nimmt zwar die Dominanz eines „Stadttores“ auf, bleibt aber weit unter den architektonischen Möglichkeiten. Es ist ein Bau, der in seiner Massigkeit und Ausführung auf Maximierung der Fläche abzielt und ein Gebäude errichten will, welches keinerlei Identifikation mit der Stadt hat und an jeder Stelle der Welt stehen könnte. 
E+P hat mit der Errichtung eines Hotels auf dem Mainblock bereits unter Beweis gestellt, dass es in Lage ist, Gewinnoptimierung und mangelnde Rücksichtnahme auf die umgebende Bebauung in einem Projekt zu vereinigen. 
Allerdings zeigt der Entwurf von E+P auch, was an Mischnutzung zwischen Läden und Büros, Seniorenwohnen und normalen Wohnungen auf der gesamten Fläche möglich sein kann, wenn Entwicklern oder Investoren die Chance gegeben wird, dass gesamte Areal im Kontext der Innenstadt zu betrachten. Gerade deshalb hat sich auch die WsR für einen städtebaulichen Wettbewerb entschieden. 
Es geht darum, Wettbewerbsangebote zu erhalten, die die wirtschaftliche Nutzung der Fläche mit der notwendigen städtebaulichen Wirkung in Einklang bringen. 

Mainblock und Landungsplatz als abschreckende Beispiele 
Beim Verkauf des Mainblocks hat sich die Stadt ohne Not und aus kurzfristigen politischen Motiven heraus der Investitionsbereitschaft eines Investors unterworfen, ohne sich die Zeit zu nehmen, die für Rüsselsheim beste Lösung auszuloten. 
Wer ein Hotel an einer solchen Stelle ohne die zwangsläufig notwendigen Parkplätze und mit dieser entfremdeten Architektur genehmigt, der braucht dringend in Fragen der Stadtplanung Unterstützung. 
Durch den Umbau des Landungsplatzes entfallen ein Drittel der bisherigen Parkplätze. Hinzu kommen die Gäste der beiden Hotels und die Parkplätze für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die vorher auf dem Mainblock geparkt haben. 
Der Schaden, der durch die dann fehlenden Parkplätze der Innenstadt zugefügt wird, ist noch gar nicht abzusehen. 
Ein ähnliches Desaster muss bei der Bebauung des Karstadt-Areals verhindert werden. Aus diesem Grund war es richtig, dass die Stadtverordnetenversammlung das Verfahren in aller Konsequenz an sich gezogen hat und mit dem städtebaulichen Wettbewerb ein transparentes Verfahren geschaffen hat, welches es ermöglicht, das Areal zum bestmöglichen Preis am Markt zu platzieren und im Sinne der gesamten Innenstadt zu entwickeln.

 Rüsselsheim, den 27.01.2017

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